Leben im neuen Land: Teil 2 – Kulturelle Unterschiede

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Wie versprochen, hier der nächste Teil meines Betrags zu Thema ‚kulturelle Unterschiede‘. Am Abend des ‚Einführungskurses‘ von NZ Immigration ging es auch darum, sich in die Arbeitswelt zu integrieren, und das gilt für den Migranten sowie für den Arbeitgeber. Jedes Unternehmen, das Immigraten einstellt, muss sich darüber im Klaren sein, dass sie vielleicht etwas ‚anders ticken‘ und sich entsprechend darauf einstellen.

In der folgenden Grafik sieht man einige ausgewählte Länder und die Unterschiede im Bereich Management und Arbeitsstil. Während man fast jedem Angestellten aus Malaysia genauestens erklären muss, wie und was er zu tun und zu lassen hat, möchte der gemeine Kiwi lieber alleine seine Aufgaben erfüllen und tun was er für richtig hält.

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Was ist für euch wichtig? Statussymbole (mein Haus …, Chef sein, … ) oder ist für euch gutes Benehmen vorrangig? Das hat sich auch Geert Hofstede gefragt und eine Matrix erstellt. Es ist natürlich nur ein Durchschnitt und nicht jeder ist gleich. Während sich Malaien vor jedem verneigen, der in der Herarchie über ihnen steht, sich dafür jedoch nicht an an Regel oder allgemein geltende Vorgaben halten, sind für Süd-Koreaner Regeln viel wichtiger. Deutsche sind, nicht wirklich überraschend, in die Gruppe der ‚Regel-liebenden‘ einzuordnen. Und das wird international auch anerkannt. Während unsere chinesischen Nachbarn sich eher für sich selbst interessieren und gerne mal bis 2 Uhr nachts feiern, um die neue Soundanlage auszuprobieren, nehmen wir schon etwas mehr Rücksicht und achten auf unsere Mietwohnung (bekommen dafür auch immer Kekse als Dankeschön bei der halbjährlichen Besichtigung). Meine Kollegin hat mir vor kurzem auch gesagt, das es ist schwer sei verantwortungsvolle Kiwis als Mieter zu finden und sie lassen daher die Wohnung lieber länger leer stehen als sich vorschnell irgend jemanden ins Haus zu holen.

Positiv finde ich allerdings, dass sich die Neuseeländer im allgemeinen eben nicht für große Autos, teure Kleidung oder funkelnden Schmuck interessieren. Vielleicht eher mal für neue Outdoor Kleidung. Hier gibt man sein Geld für ein leckeres Essen und Ausflüge in die Natur aus. Der Boss steht auf Augenhöhe der Angestellten und wird mit Vornamen angesprochen. Das gefällt uns schon sehr und macht das Leben irgendwie einfacher als wenn man sich die Frage stellen muss,  ob ich meinen ehemaligen Lehrer aus der Schule immer noch sietzen müsste oder ob ich jetzt endlich mal sagen kann:  „Schön dich zu sehen, Bernd. Mein Englisch hat sich übrigens sehr verbessert in den letzten Jahren.“

Obwohl ich mir schon manchmal wünsche würde, dass die Neuseeländer sich besser an Geflogenheiten halten. Das Schild in der Sauna „please use a towel and shower before entering the pool“ wird fasst ausnahmslos ignoriert. Dafür sind sie hilfsbereiter.

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Eine weitere Grafik von Geert Hofstede ist der Ländervergleich, hier zwischen Neuseeland und Deutschland.

Power Distance (für NZ): Innerhalb von Unternehmen ist Herarchie nur aus Bequemlichkeit da. Vorgesetzte sind immer ansprechbar und Informationen werden häufig geteilt. Die Kommunikation verläuft informell, direkt und mitbestimmend. Aktuell läuft gerade unsere jährliche und anonyme betriebsinterne Umfrage, wo man sich zu Unternehmen, Abteilung, Vorgesetzten äußern kann.

Individualism: In Neuseeland wird erwartet, dass jeder für sich und seine Familie selber sorgt und das man in der Arbeitswelt eigenverantwortlich arbeitet und durch seine Leistung, (nicht Vitamin B), befördert wird.

Masculinity: Kiwis sind schon ein bisschen stolz auf sich und auf das, was sie erreicht haben. Man versucht zwar der Beste zu sein (im Sport, Beruf und Schule), aber man freut sich auch für den anderen. Konflikte werden auf individuellem Level gelöst und nicht nach aussen getragen, oder gar nicht erst angesprochen.

Uncertainty Avoidance: Soll man versuchen etwas zu ändern, was nicht zu ändern ist? Die Neuseeländer gehen unterschiedlich mit Ängsten um. Man versucht zwar sich durch Einrichtungen und Notfallpläne vor etwas zu schützen oder zumindest die Auswirkungen abzufedern, (z. B. bei Erdbeben oder Vulkanausbrüchen), aber verhindern kann man sie nunmal nicht. Deutsche wollen sich trotzdem lieber versichern, sei die Eintrittswahrscheinlichkeit noch so klein.

Long Term Orientation: Bisher waren beide Kulturen recht ähnlich. Bei der Langzeitvorsorge geht die Scheere jedoch weit auseinander. Deutsche denken langfristig (planen über Jahrzente hinweg). Kiwis vielleicht bis zum nächsten Jahr. Das merkt man vorallem bei den Häusern. Warum soll man ein Haus bauen, welches 50 Jahre hält, wenn ich wahrscheinlich in 5 Jahren wieder umziehe? Warum soll man gut isolieren, wenn es nur 1/12 im Jahr mal etwas kälter wird. Dann zieht man sich eben mehr an. Anstelle eines 25 jährigen Bausparplans wird hier nach 2 Jahren die Finanzierung des Hauses neu aufgestellt. Die Altersvorsorge wird durch das sog. Immobilien-hopping aufgebaut und erst seit einigen Jahren mit staatlicher Unterstützung vermehrt auf eine fondsbasierte Altersvorsorge (Kiwisaver) gesetzt.

Indulgence: Auch hier gehen die beiden Werte etwas mehr auseinander. Es hat Schlichtweg mit dem „wie man lebt“ zu tun. Ich übersetze es gerne mit: „Arbeite ich um zu Leben“ oder „Lebe ich um zu Arbeiten“. Indulgence heißt Genuss und das Gegenteil ist Zurückhaltung (Restraint). Lt. Geert genießen Neuseeländer das Leben und haben Spaß. Sie besitzen eine positive Einstellung und tendieren eher zum Optimismus. Zusätzlich legen sie viel Wert auf Freizeit, tun was ihnen gerade gefällt und geben mehr Geld aus als sie eigentlich möchten und vielleicht auch haben.

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