Wie finde ich einen Job?

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Tja… Diese Frage stellen sich wahrscheinlich einige, die hierhin auswandern wollen oder schon hier sind. Wir sind nun seit gut sechs Monaten endlich wieder in Lohn und Brot, nachdem die ersten sechs Monate „Urlaub“ unsere Finanzreservern komplett aufgefressen haben. Ich weiß, es gibt eine ganze Menge Beiträge über das Arbeitsleben in Neuseeland. Jede Geschichte ist aber bestimmt auch ein bisschen anders. Hier nun also unsere:

Um zu Arbeiten und legal Geld zu verdienen, braucht man wie in jedem Land eine Arbeitserlaubnis. Über die  verschiedenen Visamöglichkeiten könnt ihr hier genauer informieren. Da wir damals schon 31+ Jahre waren und unsere jeweilige Ausbildung nicht der begehrten Skilled Shortage List entsprachen, sind wir zunächst als Touristen eingereist. Wenn also die Absicht besteht, in NZ zu bleiben und zu arbeiten, sollte man sich im Vorfeld gut vorbereiten. Hierfür bietet ein sog. Immigration Adivsor gute Unterstützung und erste wichtige Anhaltspunkte für das Vorhaben.  Wir haben mit Instant Immigration einen sehr guten Partner gefunden. Fangt damit auch nicht erst kurz vor Abflug damit an, denn die Planung wird einige Monate in Anspruch nehmen.

Aber nun zurück zum Thema: Wie finde ich einen Job? Unsere Situation war so, dass wir mit einem Touristenvisum nicht arbeiten durften. Doch ohne ein Arbeitsangebot bekommt man auch kein Arbeitsvisum. Ein Teufelskreis sozusagen, den es zu durchbrechen gilt. Wir haben Bekannte, die haben bereits nach 2 Wochen einen Arbeitsvertrag bekommen haben, weil sie in der IT Branche sind oder Koch gelernt haben. Ein anderes befreundetes Paar hat fast 11 Monate gebraucht, um etwas zu finden und der Rückflug nach Deutschland war schon fast gebucht. Unsere Tipps in Stichpunkten:

 

Networking, Networking, Networking:

Dies ist meiner Meinung nach das wichtigste. Trefft euch zu privaten Meetups, erstellt ein vernünftiges Profil auf LinkedIn und redet mit Leuten aus eurem Berufszweig. Ein Großteil der vakanten Positionen werden gar nicht extern, sondern erstmal nur intern extern ausgeschrieben. Genauso ist es bei uns in der Firma. Und wenn man dann einen kennt, der einen kennt, der wiederum jemanden kennt, dann ist das ein großer Pluspunkt. Es läuft hier einfach viel über Beziehungen und damit meine ich nicht, dass man einflussreiche Leute kennen muss, um an die guten Jobs zu kommen, sondern es ist generell hilfreich, wenn man viele Leute kennt.

 

Internship:

Wie bereits erwähnt, darf man kein Geld oder andere geldwerte Vorteile verdienen, wenn man kein Arbeitsvisum hat. Dennoch darf man unentgeldlich arbeiten. Sucht euch ein Praktikum für 2-3 Wochen, um Erfahrung zu sammeln, und vor allem um eine Referenz für euren Lebenslauf zu bekommen. Die Bekannte von Freunden hat ein kleines Projekt gehabt, wofür ich wie geschaffen war. Nach dem Abschluss hatte ich dann endlich meine erste so oft erwähnte aber überbewertete Kiwi-Experience und, da ich das Projekt auch erfolgreich abgeschlossen hatte, auch eine gute Referenz. Es ist unheimlich wichtig, dass ihr lokale Referenzen aufführen könnt. Und die werden auch wirklich angerufen, also keinen Murx erzählen.

Selbst ehrenamtliche Tätigkeiten außerhalb des eigentlichen Arbeitsgebietes sind ein guter Einstieg und bringen euch weiter.

 

Bewerbung

Anschreiben: Klar, ohne die eigentliche Bewerbung geht es meistens nicht. Das Anschreiben ist ähnlich aufzusetzen wie in Deutschland. Wichtig ist es, das Anschreiben oder den sog. Cover Letter interessant zu gestalten, sich auf die spezielle Position und das Unternehmen zu beziehen. Die Kiwis mögen es kurz und knackig. Das Anschreiben sollte Lust auf mehr machen. Um mich von der Masse abzuheben, habe ich immer versucht das Corporate Design des Unternehmens in die Bewerbung mit einzubauen. Mir wurde auch schonmal gesagt, dass nur Ausländer sich durch so etwas hervorheben wollen und sich somit vielleicht wiederum keinen gefallen tun, weil sie eben auffallen. Ich habe damit das so oft verlangte „Attention to Detail“ begründet. Das ist aber ja auch immer Geschmackssache und sollte jedem selbst überlassen werden.

Lebenslauf: Der Lebenslauf unterscheidet sich ziemlich von der deutschen Variante und man muss sich sehr umstellen. Kein Hinweis auf Alter, Geschlecht, Relegionszugehörigkeit, ethnische Herkunft oder Foto!! Nicht fehlen darf natürlich eure Kontaktanschrift, EMail und Telefon.

Zuerst kommt das „Personal Objective“ – also was man eigentlich in dem Job erreichen will. Hier reichen zwei bis drei Sätze. Die Aufgabenbeschreibung muss genau durchgelesen werden und sollte sich im „Personal Objective“ wiederspiegeln.

Dann kam bei mir das vielleicht etwas unübliche „About Me“. Hier die Skills aufführen, die erwartet werden und natürlich auch kurz beschreiben. Als ich mich bei meiner jetzten Firma beworben habe, die in der Landwirtschaft tätig ist, habe ich auch erwähnt, dass ich im ländlichen Raum groß geworden bin und meine Schwiegereltern einen Bauernhof haben etc. Stellt einen Bezug zur Firma und dem Produkt her!

Unter „Work Experience“ sollten vielleicht die letzten 2-3 Arbeitgeber aufgelistet werden. Da die XY GmbH aus Musterdorf hier vielleicht noch nicht den Bekanntheitsgrad erreicht hat wie in Deutschland, sollte man kurz die Firma beschreiben und wie viele Mitarbeiter oder Niederlassungen sie hat. Listet den Zeitraum und euren Jobtitel auf. Bei den Key Responsibilties und Key Achievements dürft ihr dann etwas mehr auf die „Kacke hauen“ und immer schön alles mit Zahlen untermauern. „Reduction of working capital by 17%“, „Increase of customer awareness by 12%“ …

Der erreichte Schulabschluss gehört in die Rubrik „Education“ und denkt daran, die Noten auf das neuseeländische System anzupassen. Wahrscheinlich habt ihr die Ausbildung bereits anerkennen lassen und von der NZQA eine Einstufung erhalten, die ihr angeben könnt.

Abschließend nun die „References“. Name, Position, Firma, Telefon und/oder email. Holt euch vorher natürlich die Genehmigung der Person ein.

Wir haben uns einen Drucker gekauft und viele Bewerbungen ausgedruckt und gegenseitig Korrektur lesen lassen. Klar, ihr seid keine native-english-speaker und werdet nicht 100% einwandfrei schreiben können, dennoch sollten Rechtschreibfehler vermieden werden. Versucht auch die Bewerbung euren neuen Bekanntschaften (siehe Networking und Internship) vorzulegen und deren Meinung einzuholen.

 

Was noch dazu gehört:

Das Bewerbungsgespräch läuft nicht anders ab als in Deutschland auch. Anzug und anständiges Auftreten ist nötig. Selbstverständlich sollte man gutes Englisch sprechen können. Das aufwendigste war jedoch die Fragestellungen zu üben. Beantwortet jede Antwort für euch selber in einem sinnvollen Satz. Hier gibt es noch jede Menge mehr im Internet. Wie sie oft im Leben – Vorbereitung ist alles und darin sind die Deutschen ja bekanntlich gut :-).

 

Jobbörsen:

Seek.co.nz, TradeMe Jobs oder den Jobteil der örtlichen Tagesszeitung.

 

Ganz wichtig: Nicht aufgeben, wenn es mal etwas länger dauert. Ggf. muss man sich auch erstmal auf eine andere Stadt konzentrieren. Wünsche euch viel Erfolg bei der Jobsuche!

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