365 Tage Neuseeland

Heute ist es soweit, ein Jahr Neuseeland für Andi und Kathi. Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, ist das Jahr einfach verflogen. Was haben wir nicht alles erlebt. Wenn man die Monate an Vorbereitung und Vorfreude mit einbezieht, sind 2013/2014 wohl die aufregensten Jahre unseres bisherigen Lebens gewesen. Wer hätte das damals gedacht.

Nach 365 Tagen ist es angebracht, ein erstes Fazit zu ziehen. Wir sind viel gereist und haben viel gesehen von diesem wundervollen Land und seinen Menschen. Wir nehmen dieses Geschenk nicht als selbstverständlich hin, allerdings haben wir auch viel dafür getan und riskiert. Es hätte auch alles nach hinten losgehen können. Aber was ist eigentlich so im Groben passiert?

Die ersten drei Monate verbrachten wir in Auckland, Neuseelands größter Stadt. Wir kamen am 07.09.2013 gegen 11 Uhr mit einem Touristenvisum und mit dem festen Entschluss an, einen Job zu finden und ein paar Jahre hier zu bleiben. Der Frühling stand vor der Tür, doch die Septembernächte waren noch recht kühl. Nachdem wir uns bei einer 7-köpfigen philipinischen Familie in einem Neubau mit für hiesige Verhältnisse modernster Isolierung und Ausstattung eingemietet und uns ein Auto zugelegt hatten, ging die nervenaufreibende Zeit der Jobsuche los. (Hinweis an mich: Artikel über unsere Erfahrungen in der Jobsuche schreiben.)

Make every day count.

Es war gut, dass wir im Frühling angekommen sind. Viele sonnige Tage am Strand und kleine Ausflüge in den Regional Parks versüßten uns die arbeitsreichen Stunden vor dem Laptop. Wir haben in den vielen Wochen einige neue Freundschaften geschlossen. Überwiegend mit Auswanderern, die ebenfalls aus Deutschland kommen. Die erste Reise ging Mitte Oktober an die Ostküste bis nach Gisborne. Wir dachten uns: „… sollten wir wirklich keinen Job bekommen, dann wollen wir doch wenigstens das Land ausgiebig bereist haben“. So folgte dann im Dezember auch die Reise durchs Northland.

Nach drei interessanten aber jobmäßig erfolglosen Monaten haben wir uns erstmal 2 Stunden Richtung Süden aufgemacht. Nach drei wundervollen Wochen in Raglan ging es nach einem Schlenker über New Plymouth und dem Tongariro auf die Südinsel. Der nächste Housesitting Auftrag brachte uns für gute 2 Monate in das kleine Dörfchen Geraldine. Von hier aus haben wir die Südinsel in Etappen bereist und zwischendurch natürlich immer wieder Bewerbungen geschrieben. Was auf der Nordinsel nach über 100 Bewerbungen nicht klappen sollte, passierte hier schon nach ungefähr zehn. Wir hatten dann sogar das Luxusproblem zwischen zwei tollen Angeboten auswählen zu können. Es gibt viel Konkurrenz in Auckland und die meisten Bewerber haben ein Arbeitsvisum und können somit sofort anfangen. Wir dagegen mussten den Teufelskreis durchbrechen und eine Firma finden, die uns sponsert. Ohne Visum kein Job – ohne Job kein Visum.

Von nun an waren wir doch sehr viel entspannter. Wir hatten finanzielle Rücklagen für ungefähr 6 Monate, also bis ungefähr Ende Februar 2014. Am 21. Februar habe ich dann den langersehnten Vertrag erhalten! Wenn das mal nicht knapp war! Durch Housesitting und eine Steuerrückzahlung konnten wir die Privatinsolvenz noch etwas hinauszögern, denn es dauerte weitere 6 Wochen bis ich anfangen konnte zu arbeiten. Wir mussten sparen, aber wollten natürlich auch möglichst viel sehen. Ich glaube wir haben das ganz gut hinbekommen. Unser Notfallplan, ein Work-and-Travel Jahr in Kanada, war somit hinfällig und wir konnten den Visaantrag kurze Zeit später wieder stornieren 🙂

Das waren also die ersten 7 von 12 Monaten in unserer neuen Heimat. Im April begann ich meinen neuen Job und durch das Open-Work-Visa, was Kathi dann bekam, hatte sie auch schnell etwas gefunden. Nun hieß es, Wohnung finden und einrichten. Damit haben wir uns weitere 3 Monate beschäftigt. Nach vielen Besichtigungsterminen haben wir eine sehr schöne Wohnung in Addington gefunden und durch die  Hilfsbereitschaft meiner Kollegen konnten wir sie mit gut erhaltenen Gebrauchtmöbel gemütlich einrichten.

Christchurch ist immer noch eine Stadt mit vielen Baustellen und wenn eine fertig ist, wird eine andere wieder eröffnet. Es wird noch Jahre oder Jahrzehnte dauern bis alles wieder vollständig aufgebaut ist. Dennoch gefällt es uns hier besser als in Auckland und Canterbury ist eine Region voll von wunderschöner Natur und Landschaft. Das Meer auf der einen, die Berge auf der anderen Seite. Genau das, was wir wollen.

2014-07-15 um 08-51-39 (1)In Sachen Arbeit habe ich auch voll ins Schwarze getroffen. Eine Kiwi-Company wie sie im Buche steht: Laid-back Kultur und am Freitag ist schon so gut wie Wochenende. Es ist selbstverständlich kein Urlaub und man muss was tun, aber nicht annähernd so stressig und straff wie in Deutschland. Könnte ich mich jemals wieder an die deutsche Arbeitskultur gewöhnen? Es sind bisher nur 5 Monate und tief drinnen bleibt immer noch ein bisschen das Streben nach Erfolg und die „german efficiency“ erhalten. Wie sagte mein Boss noch während der Fussball WM: „… you can take the german out of Germany, but you can not take Germany out of the german.“ Am Tag nach dem Finalsieg hab ich meinem Boss und den Kollegen ein paar Cup-Cakes (siehe Bild) mitgebracht 🙂 Das erleben wir auch immer wieder an unseren „Deutschen Stammtisch“ Tagen. Obwohl einige schon über 50 Jahre hier leben, bleiben sie mit Deutschland verbunden.

Aber nun zum Jahresfazit und die Frage: „War es das alles Wert?“. Unsere Antwort ist ganz klar: „JA!“

Ich bin mir bewusst, das  wir noch vieles mit der rosaroten Brille sehen, da jeder Tag etwas Neues bringt. Alles ist anders und daher aufregend. Auch wenn das Leben hier durch hohe Mieten und teure Lebensmittel nicht immer ganz einfach ist, machen die Freundlichkeit der Menschen, die gute Work-Life-Balance und die positive Lebenseinstellung der Neuseeländer dies auf jeden Fall wett.

Mit einigen unserer schönsten Bildern bedanken wir uns für eure Lesebereitschaft des letzten Jahres und hoffen, dass ihr uns treu bleibt.

Andi & Kathi

 

Ballooning Canterbury
The Beauty of Safety - Air NZ Videos

Eine Antwort

  1. Ja, das war bestimmt ein anstregendes Jahr. Aber freut mich zu hören, dass Ihr Euch gut eingelebt habt!