…und wie geht es Kathi so?

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Nachdem Andi schon so viele Beiträge gebloggt hat, dachte ich mir, informiere ich euch mal darüber, was ich in den letzten Wochen so erlebt habe – in einem Land in dem die Einwohner bei Country live Musik in einer Kneipe abgehen als wäre es das coolste Rockkonzert, in dem die Dame hinter dem Postschalter einem die Briefmarken auf die entsprechenden Umschläge klebt, in dem man seine Waschmaschine umtauschen kann, obwohl die ersten 2 Wochen schon rum sind und keiner erst mal den Beleg sehen will, in dem man Fahrräder nur ohne Licht, Gepäckträger und Schutzblech kaufen kann, in dem man bei der Kontoeröffnung gefragt wird wie lange man denn schon zusammen sei und ob man denn auch Kinder haben möchte – und das hat die nicht gefragt, um uns irgendwelchen zusätzlichen Mist zu verkaufen!

Nun ja, nach meinem ersten befristeten Einsatz als Urlaubsvertretung in einem recht großen und renommierten Unternehmen, hatte ich bei der zweiten Firma das Glück, dass mir eine feste Anstellung angeboten wurde. Eigentlich sollte ich auch hier nur für einen befristeten Zeitraum das Team unterstützen, aber unverhofft kommt oft und ich kann dort nun langfristig bleiben. Yeah!

No worries, you´re gonna be fine.

Leider wurde dieser Freudentag von einer blöden Infektion überschattet, die sich aus einer kleinen harmlosen Brandblase entwickelt hat. Ich hatte also zum ersten Mal Kontakt mit dem neuseeländischen Gesundheitssystem und hier galt wieder – alles ganz entspannt, durchaus professionell, aber dennoch humorvoll und das Personal hat sich viel Zeit genommen. Es gab sogar Kekse zur Aufmunterung der Psyche und des Blutzuckersiegels. Auch hier wurden wir also wieder positiv überrascht wie hoch die Standards sind, wie gut und vor allem wie freundlich ein Besuch einer ambulanten Behandlungsstation sein kann. Nicht, dass ich in Deutschland schlechte Erfahrungen gemacht hätte, aber auch hier ist es in dieser Hinsicht etwas anders. Zuvor war ich nämlich noch bei einer Allgemeinmedizinern, die mir als erste Reaktion auf die gezeigte Wunde ein ‚that’s not good‘ entgegenwarf und ich schon den ersten Panikanfall hatte. Sie hatte gemerkt, dass mir mulmig war und es kam dann das klassische ‚you’re going to be fine‘. Ja klar, dass sagen die bei Grey’s Anatomy auch immer und dann ist der Patient am Ende der Sendung gar nicht mehr ‚fine‘. Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte ist, dass das Praxispersonal keine weißen Kittel trägt, so wie man es aus Deutschland gewohnt ist. Sie tragen alle ganz normale Kleidung und wenn die Ärzte kein Stethoskop und kein Namensschild tragen würden, dann könnte man sie glatt für Patienten halten. Keine Ahnung, ob das gut oder schlecht ist und ich möchte das auch gar nicht weiter beurteilen, was ich damit nur zum Ausdruck bringen wollte, ist eben das Anders sein.

An diesem ereignisreichen Tag haben wir noch etwas Interessantes auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt beobachtet. Dort sind beim ausparken zwei Autos aneinandergestoßen. Nicht sonderlich heftig, aber die hinteren Stoßstangen haben ziemlich geknackt. Was geschah als nächstes? Beide Fahrer sind ausgestiegen, haben sich angegrinst, jeder hat jeweils die Stoßstange des anderen und dann die eigene begutachtet und einmal darüber gestreichelt. Alles gut, da waren sich die beiden einig. Wieder haben sie sich angelächelt, sind jeweils in ihre Autos gestiegen und weiter gefahren. Wir konnten die Unterhaltung leider nicht hören, aber ich stelle mir das so vor:

„Hey, sorry man, I didn’t see you. No worries. It doesn’t look bad to me. Yeah, you are right. I don’t see anything either, my car looks fine too. All right than, have a good night. Yeah man, you too.“ …..Ach ja, diese Kiwis.

Der Deutsche hätte sich schon seine Finger für einen Versicherungsfall gerieben 🙂 In Neuseeland gibt es übrigens keine Pflicht-Haftpflicht. Unfälle werden von der staatlichen Unfallversicherung (ACC) geregelt, auch Touristen sind davon abgedeckt.

The Beauty of Safety - Air NZ Videos
New Zealand National Anthem

2 Antworten

  1. Eine wunderbare Erzählung von einem wundervollem Land und seinen unkomplizierten Menschen

  2. Super (,) (-) Kathy.
    Dein Erzählstil unterscheidet sich deutlich von Andy’s, sind aber beide in ihrer Art und Weise interessant. Würde mich freuen, zukünftig mehr „mixed potatoes“ in Eurem gemeinsamen Blog zu finden.
    Durch Eure Erzählungen (und den mehrwöchigen Besuch eines beruflichen guten Bekannten) habe ich immer mehr Interesse an dem Land „hinter’m Horizont“ gefunden. Kann immer mehr verstehen, daß es Euch dahin gezogen hat.
    Glückwunsch zum „11-Monatigen“.

    Gruß
    Robert